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Aktuelles / „Manchmal wollen Eltern den Missbrauch nicht wahrhaben” – Elternbroschüre unterstützt betroffene Eltern seit zehn Jahren

21.04.2016

„Manchmal wollen Eltern den Missbrauch nicht wahrhaben” – Elternbroschüre unterstützt betroffene Eltern seit zehn Jahren

Vor sechs Jahren erschütterte der sogenannte Missbrauchsskandal Deutschland. Sexuelle Übergriffe in der Kirche, in Schulen und Internaten in schier unvorstellbarem Ausmaß kamen zum Vorschein. Dennoch findet sexueller Missbrauch nach wie vor am häufigsten innerhalb der Familie statt, und dies oft jahrelang. Das erleben auch die Mitarbeiterinnen des Vereins Pfiffigunde e. V. täglich. „Nicht nur die Welt des Kindes, sondern die der ganzen Familie wird durch einen sexuellen Missbrauch nachhaltig erschüttert“, berichtetet Dipl.-Pädagogin Stephanie Ackermann. Schon beim leisesten Verdacht, dass das Kind Missbrauch erfahren könnte, werden die Eltern von einer Welle heftigster Gefühle überschwemmt. Wut, Angst, Scham und Verzweiflung führen oft zu einer Überforderung. Die Eltern wissen nicht mehr, was sie tun sollen. Gerade wenn der Täter aus dem engen familiären Umfeld kommt, der Onkel, die Cousine, der Opa oder sogar der eigene Vater ist, fühle sich die Lage schier aussichtslos an. „Dann erscheint es den Eltern plötzlich einfacher, den Missbrauch nicht zu glauben, einfach die Augen davor zu verschließen“, ergänzt ihre Kollegin Monika Harsch. „Das darf niemand erfahren“ ist ein Gedanke, der ganz schnell auftaucht, und mit einem Mal schützt das Umfeld den Täter und nicht das betroffene Kind. „Der Erhalt der Familie, die perfekte Fassade nach außen wird wichtiger als das Wohl des Kindes“, erlebt Stephanie  Ackermann in der Praxis. Damit dies nicht passiert, hat sie zusammen mit ihrer Kollegin Monika Harsch vor genau zehn Jahren einen Elternratgeber verfasst, der seither aufgrund der großen Nachfrage immer wieder neu aufgelegt wurde. Neben den widerstreitenden Gefühlen wird auch intensiv auf die Familiensituation eingegangen. „Täter verstricken nicht nur die Opfer, sondern auch das Umfeld in ein Geflecht aus Abwertungen, (finanziellen) Abhängigkeiten und Isolation. Sich daraus zu befreien fällt schwer. Oft schaffen Betroffene dies erst im Erwachsenenalter. Doch selbst dann geht der Psychoterror weiter. Betroffene, die mit ihrer Familie brechen, werden von Nachbarn und entfernten Verwandten auf die Trennung angesprochen. Die Täterfamilie steht nach außen hin plötzlich als Opfer dar, das Opfer als Schuldige. „Denn“, so Stephanie Ackermann, „wer spricht schon beim Bäcker oder auf der Straße mit Fremden über einen sexuellen Missbrauch?“ Manche Opfer halten dem nicht stand und bleiben weiter in Kontakt mit dem Täter. Depressionen, Sucht und Suizidgedanken sind der Preis, den die Betroffenen dafür bezahlen und die häufig dazu führen, dass sie sich das erste Mal im Leben Hilfe suchen.

Damit es so weit gar nicht kommt, sondern Kinder frühzeitig geschützt werden, dazu soll der 50-seitige Ratgeber „Und wo bleibe ich“ beitragen.
Die Broschüre kann gegen eine Schutzgebühr von 2 € + Versandkosten angefordert werden bei: Pfiffigunde e. V., Dammstr. 15, 74076 Heilbronn, Tel. 07131/166178 oder info@pfiffigunde-hn.de.


Außerdem kann sie kostenlos heruntergeladen werden unter
http://www.pfiffigunde-hn.de/literatur/eigene/elternbroschuere.pdf   

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